AKTUELLES

Wir möchten euch hier einen kleinen Einblick in unseren Handelsalltag und in die zur Zeit eher angespannte Situation im Handel geben.

Hier zeigen wir euch Infos zur Markt- und Preislage in Form von Anschreiben an uns. Es werden natürlich keine Namen oder Hersteller genannt, diese werden in der Texten zensiert oder entfernt.

Vielen ist dies bei Ihrem privaten Einkäufen schon aufgefallen und es ist Ihnen auch bewusst warum sich alles verändert, jedoch wird dies gerne bei gewerblichen Dingen vergessen und es wird mit absolutem Unverständnis reagiert.

Hier geht es schlicht weg darum Sie zu Informieren und Ihnen die Lage etwas näher zu bringen!

 


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12.04.2022

Bereich: Marktbericht für April 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

täglich erreicht uns eine Vielzahl von Preiserhöhungen von Seiten der Hersteller, stellenweise mehrfach pro Monat für die gleichen Artikel. Abgeschlossene Jahreskontrakte werden kurzfristig außer Kraft gesetzt oder gekündigt. Die immer noch stark steigenden Preise für Energie (Strom, Gas, Diesel), Dünger und Futtermittel belasten die Kalkulationen der Erzeuger und Verarbeiter weiterhin enorm. Aufgrund der hohen Energiekosten verlangen alle Speditionen einen gesonderten Frachtzuschlag in Höhe von 300 – 500 Euro pro LKW. Und ein Ende der Spirale ist hier nach wie vor nicht absehbar.
Es kommt im gesamten Markt aktuell leider zunehmend zu Lieferengpässen, sodass die Bestellungen vom Großhandel entweder gekürzt oder Liefertermine deutlich nach hinten verschoben werden. Was wir bis heute, durch teurere Zukäufe von fehlenden oder knappen Produkten, ausgleichen konnten.
Erschwerend kommt hinzu, dass den ersten Herstellern die Packstoffe ausgehen. Daraus resultiert, dass wir als Großhandel gezwungen werden – in einer Zeit in der bestimmte Rohstoffe immer knapper werden – nach Alternativherstellern für bestimmte Produkt zu recherchieren.
Solche Maßnahmen wirken sich dann auch sofort auf die Einkaufpreise aus.
Wie angespannt die Situation der Verfügbarkeiten ist, sieht man aktuell von Tag zu Tag mehr im Einzelhandel und nach heutiger Sicht wird sich die Lage weiter zuspitzen. Viele Produkte werden in deutlich geringeren Mengen dem Markt zur Verfügung stehen und fehlende Packstoffe führen dazu, dass Hersteller bestimmte Produkte eine Zeit lang nicht mehr abfüllen bzw. abpacken können.


_Die Marktlage im April 2022_
WARENGRUPPE PREISENTWICKLUNG VERFÜGBARKEIT (letzte 12 Monate)
- Butter 72,8 %  eingeschränkt
- Margarine, Öle und Fette 73,3 %  knappe Verfügbarkeit (Öle und Fette)
- Käse in Scheiben und am Stück 26,3 %  knappe Verfügbarkeit (Käse in Scheiben)
- Molkereiprodukte 23,9 % _knappe Verfügbarkeit (Milch)_
- Eier und Eiprodukte 52,8 % _knappe Verfügbarkeit_
- Fleisch, Fisch, Geflügel 34,0 %
- Konserven und Konfitüren 18,5 % _sehr knappe Verfügbarkeit (Konserven)_
- Trockensortiment 12,9 %
- Obst und Gemüse frisch 14,6 %
- Tiefkühlkost 14,2 % _sehr knappe Verfügbarkeit (Geflügel)_
- Feinkost, Dressings, Salate und Gewürze 8,7 %
- Getränke und Spirituosen 7,9 %
- Kaffee, Tee und Kakao 6,4 %
- Süßwaren 1,6 %
- Kartoffeln und Teigwaren frisch 23,5 %
- TK Fertigmenü 8,6 %
- Wurstwaren 14,9 %
- Hygieneartikel (Desinfektionsmittel) 1,0 %
- Verpackung und Reinigungsartikel 8,5 %

1. Schweinefleisch
Der aktuelle Preis bei Schweinefleisch steht bei 2,00 €/kg (Vj. 1,50 €) und steigt weiter. Ein Ende der Erhöhung ist nicht in Sicht. Durch die neuen Aufstallquoten ist eine Kehrtwende eingetreten. Die Schweinemast hat sich auf die neuen Bedarfsmengen eingestellt und hat weniger Tiere in die Mast aufgenommen. Hinzu kommt, dass ca. 20-30% der Schweinemastbetriebe durch den hohen Kostendruck Ihren Betrieb eingestellt haben. Durch den Krieg in der Ukraine ist der Import von Getreide eingebrochen und führte somit zu einer Futtermittelpreiserhöhung von ca. 40%.

2. Rindfleisch
Der aktuelle Preis bei Rindfleisch (Jungbullen) steht bei 5,90 €/kg (Vj. 3,80 €) und steigt weiter. In der Corona-Zeit haben viele Landwirte Ihren Betrieb eingestellt und somit liegen die Schlachtzahlen in Gesamteuropa im Vergleich zu 2019 bei -10 bis -15 %. Zudem kommt, dass durch den hohen Milchpreis, viele Kühe vor der Schlachtung zurückgehalten werden. Daraus resultiert eine wöchentliche Preissteigerung um 0,10-0,15 €/KG und sorgt für Preiserhöhungen bei allen Teilstücken.

3. Geflügel
Die Trendwende der Preiserhöhungen im Frischgeflügelmarkt ist noch nicht in Sicht. Die Auszahlungspreise an die Mastbetriebe sind in den letzten Wochen weiterhin um 20-35% gestiegen. Die Gründe für die Preissteigerungen sind steigende Energie- und Getreide-kosten. Hinzu kommt die Einführung der neuen Haltungsformen, wodurch die Tiere mehr Platz erhalten und dadurch die Produktion zu gleichen Teilen fällt. Zusätzliche Mastflächen werden kurzfristig nicht genehmigt bzw. ein Bauantrag dauert in der Regel bis zu 5 Jahre. Durch den Importeinbruch von Waren aus der Ukraine fehlen der EU-Gemeinschaft 6 Mio. Hähnchen pro Woche. Zudem fehlt es polnischen Schlacht- und Zerlegebetrieben als auch im LKW-Transportbereich an ukrainischen Arbeitskräften.

4. Lamm
Es gibt wöchentliche Preissteigerungen bei Lammfleisch aufgrund der in Europa kaum vorhandenen Bestände und des bevorstehenden Ostergeschäftes. Um die Warenversorgung aufrecht zu erhalten wird nahezu jeder Preis akzeptiert. Durch aktuelle Angebote aus Neuseeland für den Sommer bleibt das Preisniveau hoch. Durch die starke Nachfrage aus China für Neuseeländische Weideschafe, ist die Verfügbarkeit in Europa stark begrenzt.

5. Fisch
Auch am Fischmarkt kommt es durch den Russland-Ukraine-Konflikt zu Einschränkungen und Preisanstiegen. Zwar sind von der EU noch keine Sanktionen zu Fischware aus Russland erteilt worden, bleibt jedoch im Bereich des Möglichen. Teilweise sind auch die Logistikrouten eingeschränkt, weswegen auf alternative und deutlich kompliziertere Routen ausgewichen werden muss. Auch gibt es in osteuropäischen Produktionsstätten signifikante Ausfälle in der Produktions- und Lieferkapazität, da viele ukrainische Mitarbeiter nicht mehr vor Ort sind. Schlechte Fangsaisons, Covid-bedingte Ausfälle und steigende Nachfrage verschärfen die Situation weiterhin zusätzlich. Generell muss mit Lieferengpässen in allen Bereichen gerechnet werden.

6. Kartoffelprodukte
Unsere Kartoffelprodukt-Lieferanten hatten bereits coronabedingt mit einer hohen Inflation auf breiter Front zu tun gehabt, die die Produktionskosten zu täglich neuen Höchstständen trieb. Nun lässt der Ukraine-Krieg die Kosten nahezu explodieren. Nachfolgend eine Textpassage aus einem Lieferantenschreiben, den wir kürzlich erhalten haben.
„... Hinzu kommen auch gekappte Versorgungslinien wie z.B. beim Sonnenblumenöl, die uns zwingen, Ersatzöle für
150.000 t Kartoffelprodukte zu astronomischen Preisen zu zukaufen oder die ungeplante Unterstützung für unsere Landwirte, damit sie die erheblichen Zusatzkosten für Düngemittel, allg. Betriebskosten und Pflanzung stemmen können. Verträge mit unseren Zulieferern werden mit Verweis auf höhere Gewalt storniert, längerfristige Vereinbarungen nicht angeboten. Transport- und Energiekosten haben sich fast verdoppelt, Gaspreise fast verdreifacht. Lieferketten sind weiterhin unterbrochen, Planbarkeit ist ein Fremdwort geworden. Ende der Spirale – unbekannt! Das alles hat Dimensionen erreicht, die bei uns die Lichter ausgehen lassen, wenn wir nicht umgehend gegensteuern. ...“

7. TK Backwaren
Haupterzeuger und Exporteur von Getreide waren bisher Russland und die Ukraine. Erzeugt wurden Produkte wie Weizen, Leinsaat, Sonnenblumenkerne und Raps. Dies sind wichtige Zutaten für die Backwaren-Branche und sind betroffen von aktuell massiven Preissteigerungen. Rohstoffengpässe sind zu erwarten.

8. Eier und Eiprodukte
Die Erzeuger stecken in einer wirtschaftlichen Zwickmühle. Zum einen durch eine hohe Kostenbelastung als auch durch Tierschutzmaßnahmen. In der Zukunft wird es weniger Anbieter geben und daraus resultiert ein geringeres Angebot. Die Bestände mussten wegen der Geflügelpest reduziert werden und somit steigt die Nachfrage aus dem europäischen Ausland. Zudem steigt der Bedarf nach gekochter Ware und somit reduziert sich das Angebot an Rohware. Die Preise werden sich in den nächsten Wochen weiter nach oben entwickeln.

9. Milch, Butter und Käse
Ursächlich für den Preisverlauf ist das geringe Milchaufkommen weltweit. Diese Entwicklung hat sehr unterschiedliche Ursachen:
In Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern findet ein Strukturwandel in der Landwirtschaft statt. Der Hauptteil der aktiven Landwirte entstammt den geburtenstarken Jahrgängen. Die nachfolgende Generation orientiert sich vermehrt in andere, attraktivere Berufe. In den Niederlanden hat die Regierung ein Programm zur deutlichen Reduzierung der Viehbestände aufgelegt, welches von vielen Milchproduzenten angenommen wird. Von den fünf wichtigsten milchexportierenden Ländern der Welt – Neuseeland, USA, Australien, Argentinien sowie Europa – zeigt einzig Argentinien im laufenden Jahr ein Wachstum in der Milchproduktion. Das geringere Milchvolumen trifft am Markt auf eine weiter wachsende Nachfrage. Daher gibt es zeitweise Lieferengpässe. Als weiterer Faktor für die steigenden Preise ist die Knappheit von Verpackungsmitteln zu sehen. Kunststoffe und Papier sind extrem knapp und somit sehr teuer. Als jüngster Grund kommt noch der Krieg in der Ukraine dazu. Dieser hat zu deutlich höheren Energiekosten (Produktion, Logistik) geführt. Langfristig könnten die Auswirkungen jedoch noch größer ausfallen, da aus Russland und der Ukraine ein großer Teil des benötigten Viehfutters bezogen wird. Darüber hinaus ist Russland der größte Lieferant für Düngerstoffe in der Landwirtschaft.
Quelle: https://www.milch-nrw.de/informieren/marktentwicklung

10. Weizen
Die Ukraine ist die Kornkammer Europas. Diese Bezeichnung sagt schon aus, wo es in Zukunft knapp wird. Es wird erwartet, dass die großen Lagerbestände an Weizen und andere Getreidesorten im Krieg zerstört oder für die Ernährung der Bevölkerung genutzt werden müssen. Dies hat zur Folge, dass der Weizenpreis täglich neue Höchstpreise erzielt. Die Situation am Markt ist demnach weiterhin sehr unklar und angespannt. Somit ist ein Ende der steigenden Preise nicht absehbar.

11. Pflanzenöle
Monatlicher Preis für Sonnenblumenöl im globalen Handel von März 2019 bis März 2022 (in US-Dollar pro Tonne)
Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1296737/umfrage/monatlicher-preis-sonnenblumenoel/
Ukraine und Russland dominieren bei der weltweiten Versorgung mit Sonnenblumenöl und haben dadurch einen starken Einfluss auf die Verfügbarkeit und die Preisstellung aller Pflanzenöle. Aus der Ukraine stammt ca. 80 % der europäischen Verarbeitung von Sonnenblumenöl. Die Betriebe in der Ukraine sind zurzeit geschlossen, die Verschiffung ist eingestellt und somit ist die Lieferkette unterbrochen. Die Nachfrage auf alternative Pflanzenöle (Palmöl, Rapsöl) ist dadurch gestiegen und hat massive Preissteigerungen mit sich geführt.

12. Senf
Es fing mit der Missernte in Kanada im Jahr 2021 an, wodurch Erneteausfälle mit bis zu 70 % zu verzeichnen waren. Dadurch stiegen die Preise stark an. Kanada ist das Hauptanbaugebiet für braune Senfsaat. Diese Zutat ist vor allem im Dijon-Senf enthalten. Hingegen hat die Ukraine ca. 80 % des Anbaus von gelber Senfsaat abgedeckt. Der Anbau der Senfpflanzen findet im April statt, so dass eine Ernte im Sommer eingefahren werden kann. Aufgrund der aktuellen Situation in der Ukraine ist folglich davon auszugehen, dass für die kommende Saison weniger Rohware zur Verfügung stehen wird und somit mit weiteren, drastischen Preisanpassungen zu rechnen ist



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